70 Prozent der 66 teilnehmenden Stadtverwaltungen setzen kein noch kein CMS in ihrer Organisation ein

Die Absolventin Anna-Lena Becker hat in ihrer Bachelorarbeit eine empirische Studie zur „Compliance in Verwaltung und Behörden“ durchgeführt: 350 große Gemeinden hat sie bundesweit befragt, mit repräsentativen 19 Prozent Rücklauf machten 66 Unternehmen vollständige Angaben, überwiegend von Mitarbeitern in Führungspositionen. Die Arbeit entstand im Rahmen des Wirtschaftswissenschaften-Studiums an der Hochschule Würzburg-Schweinfurt in Kooperation mit dem Software-Hersteller Recommind und wurde betreut durch die Professorin Dr.-Ing. Christine Wegerich.

Von einem funktionierenden Compliance-Management-System (CMS), so die Autorin, also der Einhaltung von Rechtsvorschriften und ethischen Grundsätzen, hänge die Handlungsfähigkeit von Behörden und Verwaltungen ab – ihr Forschungsergebnis spricht eine deutlich andere Sprache: „Es ist alarmierend, dass mehr als drei Viertel der Behörden ihre Compliance-Risiken nicht kennen. Denn nur, wenn Risiken bekannt sind, können sie auch effektiv gemanagt werden.“ Ziel sei es daher, ein „wirkungsvolles Zusammenspiel von einer individuellen Compliance-Programmentwicklung, einem Compliance-Risikomanagement und einer kontinuierlichen Überwachung der geschaffenen Prozesse“ zu installieren.

In ihrem Résumée fasst Becker zusammen: „Obwohl das Thema Compliance von den Stadtverwaltungen sehr ernst genommen wird, haben die meisten kein vollständiges Compliance-Management-System. Dies liegt vor allem daran, dass sowohl die persönlichen, als auch die finanziellen Ressourcen fehlen. (…) Bei den Stadtverwaltungen sind im Rahmen von Compliance besonders gesetzliche Anforderungen und Vorgaben sowie die internen Verhaltensstandards und Richtlinien relevant. Die Motive, sich mit dem Thema Compliance grundsätzlich auseinander zu setzen, sind vor allem die Korruptionsprävention, die Haftungsvermeidung und die Förderung des Vertrauens in und von Mitarbeitern.“ Auch Konsequenzen würden gezogen: „Wenn Verstöße aufgedeckt werden, werden sie sanktioniert oder an die Strafverfolgungsbehörde weitergegeben. Allerdings gibt es nur selten eine standardisierte Vorgehensweise.“

Ein „one size fits all“-Modell gäbe es nicht, ebenso wenig eine Bestätigung der Annahme, „dass regeltreues Verhalten in der Vergangenheit und Gegenwart auf die Einführung eines Compliance-Management-Systems zurückzuführen ist“. Dennoch wird die Compliance als sehr relevant angesehen – am Wichtigsten finden mit 95 Prozent der befragten Teilnehmer die Vermeidung von Bestechung und Bestechlichkeit, den Datenschutz (83 Prozent), gefolgt von der Veruntreuung beziehungsweise Zweckentfremdung von Vermögenswerten (55 Prozent). Als anfällige Bereiche für Compliance-Verstöße werden die Bereiche des Einkaufs und der Beschaffung (68 Prozent) sowie die Dienstleistungen (59 Prozent) genannt. Um Verstößen entsprechend vorzubeugen, nannten die Befragten als Maßnahmen das Vier-Augen-Prinzip (95 Prozent) sowie das Erstellen von Richtlinien (94 Prozent); die Methode des Whistleblowings nannten nur 23 Prozent, die des Einsatzes eines Compliance Officers lediglich 15 Prozent.

Die Schlussfolgerung der junge Wirtschaftswissenschaftlerin: „Die Umsetzung von Compliance verläuft selten ohne Probleme und bedarf kontinuierlicher Anstrengungen, sowohl von den Führungskräften als auch auf der Mitarbeiterseite: Ein Hauptrisiko besteht für 52 % der Befragten bei dem hohen Aufwand für den Aufbau eines CMS. Die Hälfte gibt die Gefahr der Entstehung einer Compliance Bürokratie als mögliches Problem an. Weitere Herausforderungen sind mit 33 % das mangelnde Verständnis der Mitarbeiter und mit 27 % die mangelnden Kenntnisse über die Anforderungen an ein CMS.“

Bild: Anna-Lena Becker; (Foto privat)

 

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