Das CSR-Kompetenzzentrum OWL der GILDE-Wirtschaftsförderung Detmold und der IfB Bielefeld wurde 2015 als Förderprojekt des Wirtschaftsministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH) ins Leben gerufen. Die GILDE greift bei dieser regionalen Initiative für Ostwestfalen-Lippe (OWL) auf zehn Jahre Erfahrung in der Entwicklung von nationalen und europäischen CSR-Projekten zurück, die sich gezielt mit kleinen und mittleren Unternehmen auseinandersetzten.

Das Projektteam des CSR-Kompetenzzentrums mit Thorsten Brinkmann, Simon Gröger und Wolfgang Keck will die in der Region vorhandenen Potenziale für verantwortungsvolle Unternehmensführung stärken und ausbauen. Im Gespräch mit Forum Wirtschaftsethik Online gehen die Drei auf die Ziele und Besonderheiten ihrer Initiative ein.

 

„Ostwestfalen-Lippe – ganz oben in NRW“  so der Slogan… gilt das auch für CSR?

Thorsten Brinkmann: „Entrepreneurship und Innovation sind Markenzeichen unserer Region und machen Ostwestfalen-Lippe über NRW und Deutschland hinaus in aller Welt zu einem gefragten Wirtschaftspartner. Das Qualitätsversprechen „Made in Germany“ lässt sich mit CSR um solche Mehrwerte anreichern, die auch im Kleinen dem großen Bedarf der Welt an Nachhaltiger Entwicklung einen verantwortungsbewussten Schritt entgegen kommen. Und CSR bringt natürlich auch innerhalb von OWL die Verbundenheit mit der Region, mit Kunden, Lieferanten und Geschäftspartnern zum Ausdruck.“

Wolfgang Keck: „Die Region OWL ist bekannt für die Expertise seiner Mittelständler in den Bereichen Produktionstechnologie, Maschinen- und Anlagenbau und natürlich  Industrie 4.0. In der digitalen Transformation nimmt OWL bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Vorreiter im Mittelstand sind aber auch Unternehmen mit hoher CSR-Kompetenz. Wir bringen diese Stärken miteinander in Verbindung.“

 

Ist die „Mittelstandsregion OWL“ damit auch eine typische CSR-Region?

Simon Gröger: „OWL ist geprägt von mittelständischen Betrieben, oftmals in Familienhand mit einem sehr starken, gelebten Bekenntnis für den „Heimat-Standort“. Dieses Engagement können unsere regionalen Unternehmen strategisch nutzen und ihre Stärken gezielt ausspielen. Damit greifen sie unmittelbar CSR auf und stellen sich der großen demographischen Herausforderung der Region.“

 

Wie macht sich das CSR-Kompetenzzentrum OWL in der Region bemerkbar?

Thorsten Brinkmann: „Mittelständler profitieren erfahrungsgemäß am meisten durch den praktischen Erfahrungsaustausch untereinander. Auch CSR lässt sich am besten dort erkennen, wo es schließlich gelebt wird! Also moderieren wir das CSR-Geschehen in unserer Region: Wir vergeben den CSR-Preis OWL, bauen derzeit Sensibilisierungs-Kampagnen aus wie die „CSR-Köpfe OWL“ und laden Interessierte zu CSR-Fachveranstaltungen gerne direkt in CSR-nahe Unternehmen ein.“

Simon Gröger: „Mit einer Reihe von Qualifizierungsangeboten begleiten wir kleine und mittlere Unternehmen darin, eine eigene individuelle CSR-Strategie zu entwickeln, verantwortungsvolle Unternehmensziele zu definieren, Maßnahmen zu planen und ihre Erfolge zu kommunizieren. Häufig wird unseren Teilnehmern dabei klar, dass sie mit ihrem CSR-Engagement keineswegs allein auf weiter Flur sind. Sie merken plötzlich, dass sie Verbündete haben!“

 

Wie wichtig ist denn das aktive Networking in Ihrem Projekt?

 Wolfgang Keck: „Besondere Verankerung in der Region erfährt das CSR-Kompetenzzentrum OWL auch durch den eigens gegründeten Fachbeirat. Wir pflegen hier den Dialog und die Kontakte mit einer Vielzahl von Multiplikatoren wie CSR-Unternehmen, Wirtschaftsförderungen, Verbänden und Netzwerken – wie beispielsweise auch mit Dr. Frank Simon als DNWE-Vertreter in unserem Fachbeirat. So ziehen wir alle gemeinsam an einem Strang.“

Thorsten Brinkmann: „Wir aus OWL sind Teil eines Netzwerks von bis heute fünf CSR-Kompetenzzentren, die das NRW-Wirtschaftsministerium fördert. Wir nehmen entsprechend am Erfahrungsaustausch und der Vernetzung auch auf Landesebene teil. Die CSR-Kompetenzzentren sind ein konkretes Angebot für kleine und mittlere Unternehmen, die sich weniger an Beratungsunternehmen wenden. Gleichzeitig betreffen viele CSR-Themen auch die regionale Entwicklung, was beispielsweise familienfreundliches Arbeiten oder auch Integration von Menschen jeglicher Herkunft betrifft. Andere Regionen stehen hier häufig vor ähnlichen Herausforderungen wie OWL. Wir sind für einen Erfahrungsaustausch mit interessierten Wirtschaftsförderungen und anderen Multiplikatoren auch über unsere regionale Reichweite hinaus immer offen.“

 

Gibt es Resonanz für Ihr CSR-Kompetenzzentrum auch über die Region OWL hinaus?

Simon Gröger: „Über unseren regionalen Ansatz für OWL hinaus, können sich selbst kleinere Mittelständler durch CSR-Strategien in ihren bundesweiten oder auch internationalen Märkten positionieren. Wenn wir in unseren regionalen Aktivitäten mit den Unternehmen CSR-Impulse geben können, die innerhalb der jeweiligen Branche und in Absatz- und Beschaffungsmärkten Wettbewerbsvorteile ermöglichen, ist das die beste Resonanz, die CSR bewirken kann.“

Wolfgang Keck: „Gehen wir ruhig nochmal eine Stufe weiter nach unten und damit hin zur Zielgruppe der Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten, dann sind wir nicht nur in der Region OWL bei der Mehrzahl aller Unternehmen angekommen. Auch überregional zeigt sich dieses Bild. Wir scheuen uns in OWL also nicht davor, CSR auch für Kleinstunternehmen nutzbar zu machen. Denn wie soll ein Konzept im Großen funktionieren, wenn es nicht auch im Kleinen klappt. Regionen und ihre Kleinstunternehmen an CSR zu binden, auch das kann eine Menge bewegen.“

 

Mehr Informationen unter: www.csr-kompetenz.de

 

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